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„Unter Deck“ von Sophie Hardcastle

„Eben fühlte sich Olivia noch aufgehoben in der überwältigenden Magie des Meeres, als die Segelschifffahrt mit fünf gleichaltrigen Männern unvermittelt zum traumatischen Erlebnis wird. Ein wilder, aufwühlender, sprachgewaltiger Roman, der alle Sinne anspricht.“

Wasser hat etwas Magisches. Etwas Unberechenbares. Olivia, genannt Oli, entdeckt durch Zufall das Segeln und das weite Meer für sich, nachdem sie nach einer betrunkenen Nacht auf einem Segelboot aufwacht und den alten Seemann Mac – und wenig später seine blinde Freundin Maggie – kennenlernt und sie in ihr Herz schließt. Kurzerhand später trennt sie sich von ihrem toxischen Freund, sagt ihr Praktikum bei einer renommierten Investmentbank ab und macht das Segeln zu ihrem Beruf. Bis ihr an Bord mit fünf jungen Männern Traumatisches widerfährt.

Wir entscheiden uns dazu, zu atmen, nicht wahr?

Unter Deck von Sophie Hardcastle ist in 4 Teile geteilt. Erst lernen wir Olivia in Sydney, Australien kennen, der es an Orientierung, Wärme und Leidenschaft im Leben fehlt. Aus der durchs Leben irrenden Olivia wird Oli, eine junge Frau, die sich auf See behauptet und mit Mut und Zuversicht den Auftrag annimmt, der ihr Leben verändert und alle bisherigen Segelreisen düster überschattet. Nach diesem Erlebnis kehrt sie dem Meer den Rücken zu – und startet in ein neues Leben in London. Doch auch der neue Alltag ist nicht von Dauer. Zu tief sitzt der Schmerz, der Oli seit ihrem Trauma begleitet und letztlich ist es ihr nicht möglich, davor zu fliehen. Im 4. Abschnitt kehrt Oli zum Ursprung zurück – und damit irgendwie auch zu sich selbst.

Denn wie soll man jemandem, der noch nie Feuer erlebt hat, brennende Haut erklären? S. 229

Die Lektüre dieses Romans war ein besonderes und intensives Erlebnis. Mit abwechselnder Faszination und Entsetzen habe ich Oli durch die verschiedenen Stationen ihres Lebens begleitet, mit ihr mitgelitten und mitgefühlt. Besonders gefallen haben mir die Sprache und die pittoresken Beschreibungen der Natur, die Sophie Hardcastle imposant, mysteriös und unbezwingbar zeichnet.

Die einzige Kritik: Manche Szenen haben sich für mich etwas zu lang angefühlt und zu wenig verdeutlicht, welche Bedeutung sie im Gesamtkontext des Romans spielen. Wenngleich ich zu einem gewissen Grad mit Oli mitfühlen konnte, ist stets eine Distanz zu ihr geblieben, die sich mir nie ganz überwinden ließ. Ich frage mich, inwiefern das damit zusammenhängt, dass sie im Laufe der Geschichte auch den Zugang zu sich selbst verliert, der sie nach außen hin so unnahbar erscheinen lässt.

Dennoch hat mich Unter Deck mitgerissen und bewegt. Ein starker, bildgewaltiger Roman, der noch eine ganze Weile nachhallt.


Der KEIN & ABER Verlag hat mir netterweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung zu dem Buch beeinflusst das natürlich nicht.

Sophie Hardcastle: Unter Deck. KEIN & ABER Verlag. ISBN: 978-3-0369-5831-6. 320 Seiten. 23,00€. Aus dem Englischen von Verena Kilchling.

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