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„Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen“ von Alice Hasters

„„Aber wo kommst du wirklich her?“, „Darf ich deine Haare anfassen?“ und „Schokobabys sind so niedlich“ – rassistische Gedanken sitzen tief. Darüber müssen wir reden. Alice Hasters beschreibt, was es bedeutet, heute als schwarze Frau in Deutschland zu leben. Warum nicht nur Skinheads mit Springerstiefeln Rassisten sein können, was man gegen eigene blinde Flecken tut und wie ein offener Umgang miteinander aussieht, das beschreibt sie in diesem Buch.“

Lange saß ich da und habe über den passenden Einstieg für diese Rezension nachgedacht. Mir ist bewusst, dass ich in einer privilegierten Situation bin, indem ich nie stark diskriminiert wurde. Für mich war es immer selbstverständlich, Freund*innen aus unterschiedlichen Kulturen zu haben, gerade als ich in London zur Schule gegangen bin, war das nicht ungewöhnlich: Meine beste Freundin war halb-Ägypterin, halb Portugiesin, andere Freundinnen kamen aus Indien, eine weitere aus Malaysia, zwei aus Südkorea. Ich selbst bin halb-deutsch, halb-polnisch und habe es immer als große Bereicherung erlebt, von verschiedenen Kulturen umgeben zu sein. In meinem engen Umkreis bin ich mit Rassismus nie direkt in Berührung gekommen, zumindest nicht bewusst.

In „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen“ erzählt Alice Hasters, die als afroamerikanisch-deutsche Frau in Deutschland auf täglicher Basis mit Rassismus konfrontiert wird, aus ihrem Leben. Rassistische Bemerkungen sind manchmal offensichtlich, manchmal verstecken sie sich jedoch in vermeintlich „harmlosen“ Situationen, Fragen oder Bemerkungen.

„Rassismus folgt außerdem den systemischen Machtstrukturen, Fremdenfeindlichkeit nicht. Das bedeutet so viel wie: Ein weißer Engländer zum Beispiel mag in Deutschland Fremdenfeindlichkeit erleben, Rassismus allerdings nicht. Eine Schwarze Person, die in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, erlebt in Deutschland Rassismus, aber keine Fremdenfeindlichkeit. Eine Schwarze Engländerin erlebt in Deutschland womöglich beides.“ – S. 97

Alice Hasters schildert in diesem Buch viele ihrer eigenen Wahrnehmungen und Erfahrungen, doch dabei spricht aus vielem eine Allgemeingültigkeit. Einiges belegt sie mit historischen Ereignissen und Studien, reflektiert diese und zieht daraus ein eigenes Fazit. Mich hat dieses Buch in erster Linie ein ganzes Stück sensibilisiert und darauf aufmerksam gemacht, wie eine Person mit einem anderen kulturellen Hintergrund als ich, die Welt wahrnimmt. Man merkt, dass sie genau weiß, worüber sie schreibt, indem sie sich mit dem Thema Rassismus fundiert auseinandersetzt. „Was weiße Menschen nicht über Rassimus hören wollen“ ist definitiv eine bereichernde Lektüre, die ich jedem ans Herz legen möchte.

„Zu wissen, wo man herkommt, ist ein Privileg. Es nicht andauernd erklären zu müssen, auch. Zugehörigkeit ist nicht gleich Herkunft. Zugehörigkeit ist ein Bedürfnis. Herkunft ist ein Schicksal. Trotzdem hoffen wir, das eine im anderen zu finden. Wenn beides zusammengeht, dann nennt man das wohl Heimat.“ – S. 100

Alice Haruko: Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen: aber wissen sollten. hanserblau. ISBN: 978-3-446-26425-0. 208 Seiten. 17,00€.

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Weiterer Buchtipp: „Hunger“ von Roxane Gay. Auch diese Lektüre hat mir sehr die Augen geöffnet und mein Bewusstsein für die Wahrnehmung einer anderen Person erweitert.

2 Comments on “„Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen“ von Alice Hasters

Miss Bookiverse
Oktober 23, 2019 um 12:35 pm

Wie cool, dass es jetzt noch ein solches Buch aus deutscher Perspektive gibt. Viele, die ich kenne, beziehen sich eher auf UK und die USA. Das ist zwar auch interessant, aber da herrschen ja teilweise andere Strukturen und Probleme als in Deutschland. Merke ich mir definitiv!

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buchundwort
Oktober 23, 2019 um 3:55 pm

Ja, das ist ein sehr guter Punkt! 🙂

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