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„The Vanishing Half“ von Brit Bennett

„The Vignes twin sisters will always be identical. But after growing up together in a small, southern black community and running away at age sixteen, it’s not just the shape of their daily lives that is different as adults, it’s everything: their families, their communities, their racial identities. Ten years later, one sister lives with her black daughter in the same southern town she once tried to escape. The other secretly passes for white, and her white husband knows nothing of her past. Still, even separated by so many miles and just as many lies, the fates of the twins remain intertwined. What will happen to the next generation, when their own daughters‘ storylines intersect?“

Mit diesem Buch verbindet mich eine besondere Geschichte. Nachdem ich vor zwei Jahren Brit Bennetts Die Mütter gelesen hatte, war mir klar: Ich muss jedes Buch dieser Frau lesen. Als feststand, dass sie 2020 ein neues Buch herausbringen würde, habe ich mir den Termin der Veröffentlichung, den 2. Juni, sogar fett in meinen Kalender geschrieben, was ich sonst nie mache. Im Februar war ich in Wien auf Buchhandlungstour, stöberte nichtsahnend durch die Regale – und entdeckte plötzlich auf einem Stapel in der Ecke des Ladens den Titel: The Vanishing Half. Ich zog das Buch unter den anderen Büchern hervor. Es handelte sich um ein unverkäufliches Leseexemplar. Völlig perplex sprach ich die Buchhändlerin darauf an – und konnte mein Glück gar nicht fassen, als sie es mir einfach schenkte. Seitdem ist das Buch in meinem Besitz und ich muss zugeben, dass ich trotzdem erst jetzt, Ende Juli, geschafft habe, es zu lesen. Das lag einerseits am Umzugschaos, andererseits hemmten mich meine hohen Erwartungen, unvoreingenommen in die Geschichte einzusteigen. Nun war es jedoch endlich so weit, und ich steig in dieses langersehnte Buch ein.

Die wohl wichtigste Frage: Hat es mir so gut gefallen wie Die Mütter? Nein. Emotional hat mich die Geschichte nicht ganz so sehr mitgerissen, wie sie es meines Erachtens in sich gehabt hätte. Zu Beginn erschien mir der Einstieg etwas stockend, die Zeitsprünge störten den Lesefluss und wirkten irgendwie hektisch. Als die Grundlagen schließlich gelegt waren, nahm die Geschichte jedoch einen sehr spannenden Fortgang. Im Mittelpunkt stehen sehr relevante, große und bedeutsame Themen wie Rassismus, Identität, Familie und Freundschaft, die auf eine sehr ehrliche und realistische Weise beschrieben werden. Dabei hat Brit Bennett ihre Figuren wahnsinnig gut ausgebaut und sie zu vielschichtigen, imperfekten Charakteren entwickelt, zu denen ich im Laufe der Geschichte eine starke Bindung aufbauen konnte. Insbesondere mit Jude und Reese hat sie sich in mein Herz geschrieben, über die beiden hätte ich noch viel mehr lesen können. Auch diesmal hat mich der schöne, zugängliche und zugleich literarische Schreibstil absolut begeistert.

Allerdings hat mir bei dieser emotional aufgeladenen Thematik etwas das Crescendo gefehlt, das sich nach meinem Empfinden absolut angeboten hätte. Ich war weniger emotional involviert, als ich es gerne gewesen wäre und hätte den ein oder anderen eskalierenden Moment sehr wirkungsvoll gefunden, um der Geschichte noch mehr Ausdruck und Kraft zu verleihen. Andererseits hat sich Brit Bennett auch nicht krampfhaft bemüht, künstlich auf die Tränendrüsen zu drücken. Das Ende war dementsprechend das wohl mit Abstand realistischste, auch wenn es für meinen Geschmack fulminanter hätte sein können. Trotz der kleinen Makel, denen ein Meckern auf sehr hohem Niveau zugrunde liegt, fand ich The Vanishing Half wirklich grandios und würde es uneingeschränkt weiterempfehlen – die Themen, die Figuren und der Schreibstil ergeben einen packenden, nachdenklich stimmenden, tiefgehenden und allgemein sehr gelungenen Roman.

Brit Bennett: The Vanishing Half. Riverhead Books. ISBN: 9780593190197. 343 Seiten. 17,00€.

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