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„Swing Time“ von Zadie Smith

„Als sich die beiden Mädchen zum ersten Mal begegnen, fühlen sie sich sofort zueinander hingezogen: Die gleiche Leidenschaft fürs Tanzen und für Musicals verbindet sie, doch auch derselbe Londoner Vorort und die Hautfarbe. Ihre Wege trennen sich, als Tracey tatsächlich Tänzerin wird und erste Rollen in Musicals bekommt. Ihre Freundin wiederum jettet als Assistentin der berühmten Sängerin Aimee um die Welt. Als Aimee in Westafrika eine Schule gründen will, reist sie ihr voraus und lässt sich durch das Land, in dem ihre Wurzeln liegen, verzaubern und aus dem Rhythmus bringen.
Dieser grandiose Roman von Zadie Smith, der in den USA und in Großbritannien von Presse und Publikum gefeiert wird, erzählt am Beispiel zweier Freundinnen vom Siegen und Scheitern, vom Beginnen und Enden.“

Es wirkte alles so vielversprechend: Eine Geschichte über Freundschaft, die eigentlich auf purem Neid basiert und in jeglicher Hinsicht toxisch ist. Zwischenmenschliche Beziehungen sind so etwas komplexes und zugleich spannendes, dass man darüber großartige Romane schreiben kann. Romane, die bewegen, mitleiden lassen, unterhalten, mitreißen und am Ende das Gefühl vermitteln, das Leben der Protagonisten selbst ge- und erlebt zu haben. So ging es mir zum Beispiel bei Dunkelgrün fast schwarz von Mareike Fallwickl.

„Swing Time“ hingegen konnte meine Erwartungen leider nicht erfüllen. Bis auf die eloquente Sprache gab es nichts, das mich voll und ganz überzeugt hat. Mir ist bewusst, dass im Mittelpunkt die zwei Protagonistinnen standen, ihr Leben und ihre Entwicklung. Dennoch habe ich durchgehend eine Distanz zu ihnen verspürt und niemanden gefunden, mit dem ich wirklich mitfiebern konnte. Vielleicht liegt es daran, dass die Erzählerin keinen Namen trägt und somit für den Leser durchgehend sehr unzugänglich bleibt. Tracey war mit Abstand der interessanteste Charakter und ich hätte gerne mehr über sie gelesen – anstatt Kapitel über Kapitel über den Superstar Aimee zu lesen, für die die Erzählerin arbeitet. Meines Erachtens hat der Spannungsbogen schlicht und ergreifend gefehlt, es schien kein richtiges Ziel zu geben, zu dem sich die Geschichte hinbewegt und dadurch empfand ich sie oft als sehr langatmig.

Generell bin ich ein Fan von Büchern mit kurzen Kapiteln. Hier haben mich jedoch die permanenten Zeitsprünge irritiert, die mich in diesem Fall jedes Mal aus einer Situation gerissen haben. Selten habe ich für ein Buch so lange gebraucht (angefangen am 26. April und am 29. Juni beendet) und bin jetzt nicht traurig darüber, meine Aufmerksamkeit und Zeit anderen Büchern zu widmen.

Zadie Smith: Swing Time. KiWi Verlag. ISBN: 978-3-462-04947-3. 640 Seiten. 24,00€.

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Leselust

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