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„Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt“ von Jesmyn Ward

„Jojo und seine kleine Schwester Kayla leben bei ihren Großeltern Mam and Pop an der Golfküste von Mississippi. Leonie, ihre Mutter, kümmert sich kaum um sie. Sie nimmt Drogen und arbeitet in einer Bar. Wenn sie high ist, wird Leonie von Visionen ihres toten Bruders heimgesucht, die sie quälen, aber auch trösten. Mam ist unheilbar an Krebs erkrankt, und der stille und verlässliche Pop versucht, den Haushalt aufrecht zu erhalten und Jojo beizubringen, wie man erwachsen wird. Als der weiße Vater von Leonies Kindern aus dem Gefängnis entlassen wird, packt sie ihre Kinder und eine Freundin ins Auto und fährt zur »Parchment Farm«, dem staatlichen Zuchthaus, um ihn abzuholen. Eine Reise voller Gefahr und Hoffnung. 
Jesmyn Ward erzählt so berührend wie unsentimental von einer schwarzen Familie in einer von Armut und tief verwurzeltem Rassismus geprägten Gesellschaft. Was bedeuten familiäre Bindungen, wo sind ihre Grenzen? Wie bewahrt man Würde, Liebe und Achtung, wenn man sie nicht erfährt? Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt ist ein großer Roman, getragen von Wards so besonderer melodischer Sprache, ein zärtliches Familienporträt, eine Geschichte von Hoffnungen und Kämpfen, voller Anspielungen auf das Alte Testament und die Odyssee.“

Ich bin ein bisschen verwirrt. „Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt“ von Jesmyn Ward ist ein Roman, der zurzeit so in den Himmel gelobt wird wie wenig andere. Man sagt, die Sprache sei poetisch, es sei ein facettenreiches und ergreifendes Familiendrama. Das Buch erhielt den National Book Award for Fiction 2017.

Und doch hat es mich leider völlig kalt gelassen. Ich hatte mich darauf gefreut, von der Geschichte bewegt zu werden und etwas zu lesen, das Emotionen in mir auslöst. Schließlich geht es auch um Rassismus und Familientragödien. Dennoch war das Buch… langweilig. Anders kann ich es gar nicht bezeichnen, denn ich hatte das Gefühl, Seite nach Seite zu lesen, ohne, dass wirklich etwas passiert. Hinzu kam der Perspektivenwechsel zwischen Jojo und Leonie, der leider auch nichts wertvolles zum Spannungsaufbau der Geschichte beitragen konnte. Es gab nichts, was die zwei Stimmen voneinander unterschied, und als auch der verstorbene Richie für das eine oder andere Kapitel zu Wort kam, verlor mich das Buch völlig.

Die Charaktere habe ich alle als sehr unzugänglich empfunden: Allen voran Leonie, die Mutter, die drogenabhängig ist und sich nicht ausreichend um ihre Kinder kümmert. Sie wirkt, als hätte sich die Autorin sämtlicher Clichés bedient und dabei eine flache, nichtssagende Figur erschaffen. Mit Jojo und Kayla, den Kindern, bin ich beim Lesen auch nicht warm geworden. Kayla ist dauernd am Weinen und mehr scheint sie darüber hinaus auch nicht auszuzeichnen. Jojo ist durchgehend damit beschäftigt, sich um seine kleine Schwester zu kümmern. Michael, Leonies Mann, der aus dem Gefängnis entlassen wird, ist keine nennenswerte Figur und die Großeltern Mam und Pop wirken zwar wie Menschen, die man auch im echten Leben sympathisch finden würde, aber auch hier frage ich mich, was sie tatsächlich zu der Geschichte beitragen.

Das Fass, das für mich alles zum Überlaufen gebracht hat, waren die Geister. Ich bin generell kein Fan von magischem Realismus, Fantasy oder sonstigen überirdischen Kräften. Nur in sehr wenigen Bücher in meinem Leben, habe ich einen Zugang zu einer Geschichte gefunden, in der so etwas Bestandteil der Handlung war (z.B. in „Kafka on the Shore“ von Haruki Murakami). Ich fand die Geister überflüssig und komisch unpassend. Die Tiefe und Vielschichtigkeit, die viele in diesem Buch erkennen, scheine ich wohl nicht verstanden zu haben. Ehrlich gesagt war ich froh, das Buch nach der letzten Seite beiseite legen zu können und mich spannenderen Texten zu widmen. Es ist mit Sicherheit keines, das ich in Erinnerung behalten werde.

Der Verlag Antje Kunstmann hat mir netterweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung zu dem Buch beeinflusst das natürlich nicht.

Jesmyn Ward: Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt. Verlag Antje Kunstmann. ISBN: 978-3-95614-224-6. 304 Seiten. 22,00€.

Rezensionen auf anderen Blogs: 
Frau Hemingway
Bücherwurmloch
Paper and Poetry Blog

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