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„Sarah“ von Scott McClanahan

„Ich weiß nur eine Sache übers Leben. Wenn du lang genug lebst, fängst du an, Dinge zu verlieren. Alles wird dir weggenommen: Zuerst verlierst du deine Jugend, dann deine Eltern, dann verlierst du deine Freunde, und am Ende verlierst du dich selbst.“

Was passiert, wenn man seine Ehe ins Verderben stürzt? Wenn man weiß, vieles besser machen zu können, es aber einfach nicht tut? „Sarah“ von Scott McClanahan ist ein semi-autobiographisches Buch. Scott und Sarah McClanahan sind verheiratet, sie haben zwei Kinder und jede Menge Streit. Einen nicht unwesentlichen Anteil daran trägt Scott, er fährt betrunken Auto, vergisst dabei, dass seine Kinder auf dem Rücksitz sitzen, zündet aus Langeweile eine Bibel an. Er macht Fehler und scheint nicht daraus zu lernen. Sarah möchte sich scheiden lassen.

Scott beschreibt in „Sarah“ das Ende dieser Beziehung. Sein Ton ist sehr mündlich, man kann sich gut vorstellen, was für eine Art Mensch er ist und wie er redet. Der Schreibstil ist frisch und abwechslungsreich, locker und doch irgendwie melancholisch. Denn eins ist klar: Scott bemitleidet sich selbst, er bereut vieles, und weiß dennoch nicht, wie er sein Leben auf die Reihe bekommt, wo genau er falsch lag und was es gebraucht hätte, um diese Ehe zu retten. So deprimierend und resigniert das klingt, hatte die Geschichte auch eine gewisse groteske Komik. Ein kleines Stück habe ich mit Scott sympathisiert – wie ist es wohl, wenn man sein Leben bewusst gegen die Wand fährt? Einmal alles komplett zertrümmert? Wie fühlt sich das an?

Während die erste Hälfte neu und interessant war, hat sich das Thema für mich jedoch schnell abgenutzt. Es war klar, worauf alles hinsteuern würde und bot keine Überraschungsmomente mehr – was natürlich verständlich ist, ob des hohen autobiographischen Anteils. Doch auf halber Strecke hat mich Scott McClanahan etwas verloren und es blieb ein bedrückendes, schwermütiges Gefühl. Dennoch fand ich „Sarah“ ziemlich originell und auf gute Art und Weise nachdenklich stimmend.

Scott McClanahan: Sarah. ars vivendi Verlag. ISBN: 978-3-7472-0107-7. 206 Seiten. 22,00€.

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