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„Sagte Sie: 17 Erzählungen über Sex und Macht“ von Lisa Muzur

„17 Geschichten von 17 Autorinnen über 17 Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten – sie erzählen von der brutalen Vergewaltigung, vom ungehobelten Wunsch nach Verführung, von den Berührungen, die einen ratlos zurücklassen. Doch eins eint sie: Der unbedingte Wille zur Stärke und Selbstbestimmung. In einer Zeit, in der die Neuverhandlung des Miteinanders von Frauen und Männern stattfindet, in einem Moment der größten Unruhe und Verwirrung, ist es die Literatur, die für Aufklärung sorgt. Nirgends sonst wird unsere Realität in all ihren Facetten abgebildet, nirgends sonst darf Denken, Fühlen und Handeln gleichzeitig passieren. Und nirgends sonst darf all das erzählt werden, was sonst nicht erzählt werden würde.“

Von Anfang an war für mich klar: Ich muss dieses Buch lesen. Nicht nur hat Margarete Stokowski, die ich als Autorin sehr schätze, einen der 17 Texte verfasst, sondern auch Fatma Aydemir, deren Roman „Ellbogen“ ziemlich weit oben auf meiner Lese-Prioritätenliste steht. Zudem geht es insgesamt um ein Thema, das mich sehr interessiert: Feminismus.

Durch die 17 Kurzgeschichten bin ich recht schnell durchgebraust – sie waren allesamt sehr unterschiedlich, was ja auch logisch ist, wenn so viele verschiedene Autorinnen ein Thema auf ihre Art und Weise interpretieren. Von der Gesamtheit der Geschichten war ich insgesamt jedoch leicht enttäuscht – ich hatte erwartet, mich durch die Texte bestärkt zu fühlen und zum Nachdenken angeregt zu werden. Stattdessen haben mich manche überhaupt nicht berührt und auch den von Margarete Stokowski fand ich überraschend konstruiert.

Jedoch möchte ich auch drei Geschichten hervorheben, die ich absolut klasse fand. Das sind:

  1. „Raus“ von Anke Stelling: Dieser Text hat Emotionen in mir hervorgerufen. Es geht um ein verheiratetes Ehepaar, dessen Machtverhältnisse sich im Laufe der Ehe drastisch wandeln. Ich war sofort drinnen in der Geschichte, habe mitgefiebert und hätte gerne fassungslos die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Es bestärkte mich in meiner Überzeugung, niemals meine Träume für einen anderen Menschen aufzugeben und mich schon gar keinem Mann auf diese Art und Weise unterzuordnen. Eine brutale Erzählung, die wehtut.
  2. „Die Wahrheit“ von Mercedes Lauenstein: Ein Dialog zwischen zwei Frauen, die sich angetrunken über Männer unterhalten und dabei eigene Verhaltensweisen und Denkmuster ans Licht führen, die viel mit Machtbedürfnissen zu tun haben. Der Text ist richtig unterhaltsam geschrieben und am Ende habe ich über meine eigenen Verhaltensmuster nachgedacht, in die ich womöglich hin und wieder verfalle.
  3. „Ein Zimmer am Flughafen“ von Fatma Aydemir: Elif begegnet Khalid auf einer Party und vertraut ihm sehr schnell. Sie erzählt ihm von einem Übergriff, den sie erlebt hat. Letztendlich verfolgt er aber ein Motiv, das Elif nicht erwartet hat und nur verdeutlicht, wie weit ein Übergriff führt. Die Geschichte ist sehr spannend und gut geschrieben.

„Sagte Sie: 17 Erzählungen über Sex und Macht“ war für mich also eine bunte Mischung aus weniger beeindruckenden, skurrilen bis hin zu sehr guten Kurzgeschichten. Insgesamt ein interessantes Werk, das definitiv zum Diskutieren einlädt.

Der Hanser Verlag hat mir netterweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung zu dem Buch beeinflusst das natürlich nicht.

Lisa Muzur: Sagte Sie: 17 Erzählungen über Sex und Macht. Hanser Verlag. ISBN: 978-3446260740. 224 Seiten. 20,00€.

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