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„Pizza Girl“ von Jean Kyoung Frazier

„Eighteen years old, pregnant, and working as a pizza delivery girl in suburban Los Angeles, our charmingly dysfunctional heroine is deeply lost and in complete denial about it all. She’s grieving the death of her father (who she has more in common with than she’d like to admit), avoiding her supportive mom and loving boyfriend, and flagrantly ignoring her future.
Her world is further upended when she becomes obsessed with Jenny, a stay-at-home mother new to the neighborhood, who comes to depend on weekly deliveries of pickled covered pizzas for her son’s happiness. As one woman looks toward motherhood and the other towards middle age, the relationship between the two begins to blur in strange, complicated, and ultimately heartbreaking ways.“

Einerseits ist Pizza Girl genau das, was ich erwartet hatte, andererseits auch etwas ganz anderes. Das Buch über die schwangere 18-jährige Protagonistin ist kurzweilig und doch entführt es einen in ihren mondänen Alltag, der davon gebrochen wird, dass sie bei einer Auslieferung Jenny kennenlernt. Jenny wird überhaupt nicht nach Kriterien beschrieben, die typischer den Eindruck von „begehrenswert“ erwecken, doch vielleicht ist gerade das der Ausdruck dessen, dass sie für Pizza Girl einen Fluchtpunkt darstellt. Pizza Girl lebt vor sich hin, ist orientierungslos und stürzt sich in ihrer Lethargie und Hilflosigkeit zunehmend in Alkohol und die Begierde nach Jenny, um die sich ihr Leben dreht. Zu Hause warten ihre Mutter und ihr Freund, die sich Sorgen machen und keinen Zugang zu ihr finden, doch Pizza Girl lebt nach ihrer eigenen Agenda. Die Sinnlosigkeit und Rücksichtslosigkeit machen Pizza Girl zu einer Figur, die alles andere als mögenswert ist – was mich jedoch nicht davon abhielt, weiterlesen zu wollen.

In seinem trockenen Humor und der gewissen Passivität der Protagonistin erinnert mich dieses Buch stark an My Year of Rest and Relaxation von Ottessa Moshfegh. Ich finde es immer wieder spannend über Figuren zu lesen, die ihr Leben scheinbar bewusst an die Wand fahren (so zum Beispiel auch in Sarah von Scott McClanahan) und dabei völlig auf gesellschaftliche und soziale Konventionen verzichten. Pizza Girl war eine unterhaltsame Lektüre, die die Realität dieser jungen Frau eindringlich und schockierend darstellt und mich dabei über mein eigenes Leben nachdenken ließ, und warum ich die Ziele verfolge, die ich verfolge. Ich hätte vermutet, dass der Roman etwas thrillerartiger und plotbasierter wäre, doch im Nachhinein ist das Buch genau das, was es verspricht.

Jean Kyoung Frazier: Pizza Girl. Harper Collins Publishing UK. ISBN: 9780008356415. 198 Seiten. 15,50€.

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