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„Nachts ist es leise in Teheran“ von Shida Bazyar

„Vier Familienmitglieder, vier Jahrzehnte, vier unvergessliche Stimmen. Aufwühlend und anrührend erzählt Shida Bazyar die Geschichte einer iranisch-deutschen Familie, die ihren Anfang 1979 in Teheran nimmt und den Bogen spannt bis in die deutsche Gegenwart. Von Behsad, dem jungen linken Revolutionär, der in der mutigen, literaturbesessenen Nahid die Liebe seines Lebens findet. Von ihrer Flucht nach der Machtübernahme der Mullahs. Und von ihren Kindern, Laleh, Mo und Tara, die in Deutschland aufwachsen und zwischen den Welten zu Hause sind.
Ein bewegender Roman über Revolution, Unterdrückung, Widerstand und den unbedingten Wunsch nach Freiheit.“

Von Shida Bazyars Roman „Nachts ist es leise in Teheran“ hatte ich schon viel Gutes gehört. Ich interessiere mich für ferne Kulturen, mag Romane, die sich über mehrere Generationen erstrecken und bin auch offen gegenüber wechselnden Erzählperspektiven. Das Thema der Flucht aus einem instabilen Land nach Deutschland ist aktueller denn je und somit stand das Buch schon lange weit oben auf meiner Leseliste. Ich habe es innerhalb von wenigen Tagen gelesen und habe einige Gedanken dazu.

Der Perspektivenwechsel in der Geschichte war interessant und hat der Geschichte frische Blickwinkel verliehen. Zudem konnte man als Leser einen Einblick in die verschiedenen Familienmitglieder gewinnen und verstehen, wer sie sind. Darüber hinaus habe ich etwas über den Iran gelernt, insbesondere die islamische Revolution und welche Folgen sie mit sich getragen hat. Die Geschichte eines Landes durch konkrete Charaktere zu erzählen ist auf jeden Fall eine gute Idee.

Davon abgesehen hat mich der Roman jedoch eher enttäuscht. Im Gegensatz zu vielen anderen Lesern hat mich der Schreibstil irritiert und frustriert, insbesondere die nicht vorhandenen Anführungsstriche und dementsprechend die wörtliche Rede, die immer mitten in einem Satz beginnt. Die Tatsache, dass dies in dem Roman nicht getrennt wurde hat meinen Lesefluss deutlich gestört.

Trotz des Perspektivenwechsels, oder vielleicht gerade deswegen, habe ich keinen richtigen Bezug zu der Geschichte gefunden. Dadurch, dass jede der Personen nur einen kleinen Teil des Buches füllt, konnte ich zu keinem eine richtige Verbindung aufbauen und es blieb immer eine Distanz. Diese Kühle lässt sich meines Erachtens aber nicht nur darauf zurückführen, dass die Charaktere relativ kurz zu Wort kommen, sondern einfach weil die Geschichte auf diese Weise geschrieben ist: Irgendwie unnahbar.

Trotz des interessanten und aktuellen Themas konnte ich also leider keine richtige, emotionale Verbindung zu diesem Roman aufbauen und war froh, gleich im Anschluss ein neues Buch in die Hand nehmen zu können. Wer sich für die Geschichte des Irans interessiert und sie auf anschauliche und ergreifende Art und Weise kennenlernen möchte, sowie die Geschichte einer Iranerin im deutschsprachigen Raum, sollte vielleicht lieber Marjane Satrapis „Persepolis“ lesen!

Shida Bazyar: Nachts ist es leise in Teheran. KiWi Verlag. ISBN: 978-3-462-04891-9. 288 Seiten. 9,99€.

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