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Monatsrückblick März 2021

Zugegeben: Dieser Monat war in Hinblick auf das Lesen eine Herausforderung für mich. Da ich Semesterferien hatte, habe ich den Monat genutzt, um Vollzeit zu arbeiten. Obwohl ich in der Vorlesungszeit sonst sehr wahrscheinlich auch mit allem drum und dran auf eine 40-Stunden-Woche komme, habe ich als Studentin doch öfter Momente zum Durchatmen, zum zwischendrin lesen, mitten am Tag den Einkauf für die Woche erledigen und insgesamt einfach eine flexiblere Zeitgestaltung. Das habe ich ganz klar an meinem Leseverhalten gespürt. Es waren diesen Monat so viele Hörbücher dabei, wie noch nie: Mein Bedürfnis nach Geschichten war oft so unbefriedigt, dass ich jeden freien Moment genutzt habe: beim Putzen, beim Kochen, beim Einkaufen, beim Sport. Mit den Printbüchern habe ich insbesondere zu Beginn des Monats – als meine Energiereserven noch voll waren -, und gegen Ende Gas gegeben. Zudem habe ich mir an den Wochenenden deutlich bewusster Zeit zum Lesen genommen als zuvor – und konnte danach beseelt in eine neue Woche starten. Trotz Arbeit und allem drum und dran habe ich im März somit 8 sehr erwähnenswerte Bücher gelesen oder gehört:

Hinzugekommene Bücher: 3

Gelesene Bücher: 8

Lesemonat März

Frausein von Mely Kiyak (Hörbuch)

In Frausein erzählt Mely Kiyak aus ihrem Leben und was es heißt, als Frau und mit einem Migrationshintergrund in Deutschland aufzuwachsen. Ihre Schreibweise ist poetisch, eloquent und ich habe ihr gerne zugehört. Allerdings fehlte mir beim Hören ein bisschen der rote Faden und die Anekdoten wirkten auf mich teilweise etwas willkürlich. Ich habe das Hörbuch gerade beendet und kann nicht genau sagen, welche Schlüsse ich daraus ziehe oder welche Gedanken mich noch länger begleiten werden. Dennoch ein interessanter Einblick in Mely Kiyaks Leben.

Body Politics von Melodie Michelberger (Hörbuch)

Melodie Michelberger beschreibt in Body Politics ihren Weg zur Selbstakzeptanz. Schon früh wurde ihr vermittelt, sie hätte nicht die richtige Figur, um einen Rock zu tragen, den sie schön fand. Ab da ging der Weg weiter in die Diätkultur und den Schlankheitswahn, der uns alle umgibt und in irgendeiner Weise beeinflusst. Viele Gedanken der Autorin konnte ich nachempfinden und in mancher Hinsicht habe ich mich sehr verstanden gefühlt. Ich habe das Hörbuch mit großen Interesse gehört, habe dabei viel über mich und meinen Körper nachgedacht und kann es jeder und jedem ans Herz legen. Es wird Zeit, dass wir noch ehrlicher über unsere Körper sprechen, Stigmata aufbrechen und lernen, uns genau so gut zu fühlen, wie wir sind. Hier geht es zu einer tollen Rezension des Blogs Litaffin!

Ghosts von Dolly Alderton

Ghosts war für mich eine herbe Enttäuschung. Der Roman ist langatmig, unglaublich vorhersehbar und unrealistisch, während die Charaktere eindimensional und oberflächlich beschrieben sind. Sehr schade, da ich eigentlich ein großer Fan von Dolly Aldertons Memoir, Alles, was ich weiß über die Liebe bin und mit sehr hohen Hoffnungen in diesen Roman eingestiegen bin. Nur leider war er für mich an allen Ecken sehr unausgereift. Hier geht es zu meiner ausführlichen Rezension.

Luster von Raven Leilani (Hörbuch)

Ich schätze, dieses Buch hätte mehr bei mir ausgelöst, hätte ich es gelesen anstatt es zu hören. Es geht um Edie, eine Schwarze Frau in ihren Zwanzigern, der jegliche Orientierung im Leben fehlt und die eine Affäre mit dem deutlich älteren Eric beginnt, der in einer mehr oder weniger offenen Ehe mit seiner Frau lebt. Nachdem Edie ihren Job verliert, zieht sie bei Eric, seiner Frau und deren Schwarzer Adoptivtochter Akila, für die Edie so etwas wie ein Vorbild wird, ein. Es war interessant darüber zu lesen, wie Edie ihren Weg geht, welche Entscheidungen und Beobachtungen sie trifft. Dennoch ist mir dieses Buch leider nicht sonderlich im Gedächtnis geblieben.

So You’ve Been Publicly Shamed von Jon Ronson

Dieses Buch hat meine Horizonte erweitert und mich zum Nachdenken gebracht. In So You’ve Been Publicly Shamed untersucht Jon Ronson das Phänomen, öffentlich gedemütigt zu werden und spricht mit mehreren Personen, die davon betroffen sind – sei es, weil sie auf einer Konferenz einen fragwürdigen Witz erzählten, der von einer Journalistin aufgeschnappt und publik gemacht wurde, einen rassistischen Tweet schrieben, der viral ging oder ein problematisches Foto auf Facebook veröffentlichten, das einen Rattenschwanz an Konsequenzen mit sich trug. Im Zeitalter des Internets trennt uns nicht viel davon, einen Fehler zu begehen, der uns zum Verhängnis werden kann. Ein Thema, das uns alle betrifft und unsere Mediennutzung hinterfragen lässt. Dennoch konnte mich das Buch nicht zu 100% überzeugen: Einige der Themen waren mir persönlich zu US-amerikanisch und nicht alle Referenzen waren mir vertraut. Außerdem hätte ich es interessant gefunden, eine noch etwas differenziertere Unterscheidung zwischen der Bloßstellung von Frauen und von Männern in den Medien zu lesen. Ronson macht das bereits in Ansätzen, doch das Thema scheint mir zu groß, um es so kurz anzuschneiden.

Melanie Raabe über Lady Gaga (Hörbuch)

Es ist so schön darüber zu lesen (oder zu hören), was andere Menschen ermächtigt. Melanie Raabe beschreibt in diesem kurzen Büchlein, wie Lady Gaga sie geprägt hat und ihr mit ihren Songs und ihrer exzentrischen und emotionalen Persönlichkeit zu einem selbstbewussteren, freieren Leben verholfen hat. Es geht um Lady Gaga als Künstlerin und um Melanie Raabe als Autorin und wie sie im Laufe der Jahre zu einem Leben gefunden hat, das sie erfüllt. Ein toller Einblick und sehr empfehlenswert als Hörbuch!

Ich denk, ich denk zu viel von Nina Kunz*

Dieses Buch war genau das richtige Buch zur richtigen Zeit. Genau das, was ich gebraucht habe. Nina Kunz hat Essays zu den unterschiedlichsten Themen geschrieben, die sie beschäftigen – von Workism, über Tattoos, die Beziehung zu den eigenen Eltern, bis hin zu Butterbroten und Comfort Food. Ich habe Ich denk, ich denk zu viel in einem Rutsch gelesen und mich wahnsinnig abgeholt und verstanden gefühlt. So oft habe ich „Ja! Genau das!“ gedacht und Sätze markiert. Das Buch zählt definitiv jetzt schon zu meinen Jahreshighlights und ich schließe es nicht aus, dass ich es noch ein zweites Mal lesen werde.

Identitti von Mithu Sanyal

Das Buch der Stunde landete also auch in meinem Bücherregal, nachdem ich es 1) wahnsinnig häufig auf Instagram sah, 2) in der Lektüreliste eines meiner Wunschseminare für das kommende Uni-Semester entdeckte. Identitti ist ein ehrgeiziges Buch, das brandaktuelle, wichtige Themen aufgreift (Black Lives Matter, Grenzen, Graubereiche und Nuancen von People of Colour, aber auch Internetkultur) und viel von seinen Leser:innen fordert. Ich fand das Buch überaus gelungen. Der Schreibstil ist zugänglich und hat mich gut durch die Geschichte geführt und der Konflikt, um den sich die Handlung und die Dialoge drehen, hat mir sehr viele Denkanstöße gegeben. Gleichzeitig denke ich, dass es dem Buch nicht geschadet hätte, ein bisschen kürzer zu sein, da sich einiges wiederholt und dadurch teilweise zieht. Fest steht jedoch: Nach diesem Buch hat man Redebedarf und seinen Horizont erweitert.


Was habt ihr im März gelesen?

*Bei den gekennzeichneten Büchern handelt es sich um Rezensionsexemplare.

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