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Warum ich mir keine Leseziele mehr setze

Alle Jahre wieder habe ich mir ein Leseziel gesetzt. Das funktioniert so: Zu Beginn eines Jahres gibt man auf Goodreads eine Anzahl an Büchern ein, die man nach zwölf Monaten gelesen haben möchte. Dieser Tradition gehe ich nun schon seit einigen Jahren nach und versuche jedes Mal, das Vorjahr zu übertrumpfen und mir mehr gelesene Bücher vorzunehmen. Schließlich gibt es so viele, die ich in meinem Leben lesen möchte und indem ich mich selbst herausfordere, schaffe ich möglicherweise bewusstere Lesezeiten, mache es zu einer größeren Priorität und gebe mir generell Mühe, mehr zu lesen. So die Logik.

Das Ganze brachte nun aber drei Probleme mit sich:

  • Teilweise begann ich, Bücher aufgrund ihrer Länge auszuwählen, anstatt zu denen zu greifen, auf die ich in dem Moment wirklich Lust hatte.
  • Ich zwang mich öfter dazu, schlechte Bücher zu beenden, weil ich schon so viel „investiert“ hatte und sie sonst nicht in meinen Lese-Challenge reinzählen würden.
  • Manchmal fühlte sich das Lesen an wie eine Pflicht, die es noch abzuhaken galt – unabhängig davon, ob ich wirklich Freude daran hatte.

In gewisser Hinsicht ist es manchmal vielleicht gar nicht verkehrt, sich zu seinem Glück „zwingen“ zu müssen. Schließlich ist uns allen klar, wie süchtig Smartphones machen, wie leicht es ist, auf Instagram & Co. zu versacken und keine Seite in einem Buch gelesen zu haben, obwohl wir wissen, dass es uns guttut und wir uns eigentlich darauf gefreut hatten.

Doch ab welchem Punkt sabotiert man sein eigenes Hobby?

Nachdem ich 2021 mein Leseziel also erreicht und 70 Bücher gelesen habe (und mich währenddessen sehr oft selbst unter Druck gesetzt habe, diesem Anspruch gerecht zu werden), habe ich beschlossen, es dieses Jahr komplett sein zu lassen. Wem muss ich etwas beweisen? Wen beeindrucken? Warum sollte ich einer meiner liebsten Beschäftigungen eine derartige Stress-Komponente verpassen? Auf diese Weise traue ich mich nun endlich an den dicken Wälzer Anna Karenina ran, dessen Lektüre ich jedes Mal verwarf, weil sie mich zu viel Zeit kosten würde. Es ist so befreiend, dieses Buch nun ohne Hintergedanken aus dem Regal geholt zu haben und mir zuzugestehen, so lange dafür zu brauchen, wie ich nun mal brauchen werde. An meiner Handynutzung möchte ich nach wie vor arbeiten, aber Lesen sollte in diesem To-do-überfluteten Alltag einfach keinerlei Stressgefühle mehr entfachen.


Wie steht ihr zum Thema Leseziele? Motiviert es euch, euch eine bestimmte Anzahl an Büchern vorzunehmen oder setzt euch das auch eher unter Druck?

8 Comments on “Warum ich mir keine Leseziele mehr setze

Lea
Januar 3, 2022 um 12:10 pm

Hej und frohes neues Jahr!

Ich habe letztes Jahr einfach mal nur gezählt und aufgeschrieben, was ich gelesen habe (Schriftsteller*innen und Titel der Bücher). Ohne eine Idee davon zu haben, wieviele es werden könnten. Dass ich viel lese, weiß ich, aber ich wollte es mal in Zahlen sehen. So werde ich es dieses Jahr auch wieder machen, einfach nur für mich in meinem Notizbuch.

Liebe Grüße

Lea

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buchundwort
Januar 5, 2022 um 4:43 pm

Liebe Lea, das klingt schön. So ähnlich möchte ich das ab jetzt auch handhaben, um trotzdem noch einen gewissen Überblick zu behalten 🙂 Liebe Grüße!

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Leo
Januar 7, 2022 um 5:34 pm

Hi Moni,

ein spannendes Thema, das sich ja auch auf viele anderen Hobbies anwenden lässt. 2020 hatte ich mir erstmals ein Ziel für die Anzahl der gelesenen Bücher gesetzt. Als ich dann zu Weihnachten 2020 ein sehr dickes Buch geschenkt bekam, nahm ich mir für 2021 stattdessen eine gewisse Anzahl an Seiten pro Monat vor. Das hat mir richtig gut gefallen, auch wenn ich das Ziel für den November und Dezember nicht ganz einhalten konnte. Es hat mich trotzdem motiviert, jeden Monat zu versuchen, mir aktiv Zeit fürs Lesen zu nehmen 🙂 Und wenn ich wirklich mal ein Motivations- und Inspirationstief habe, gehe ich einfach hier auf den Blog und lasse mich davon hochziehen – tausend Dank dafür! 🙂

Einen guten Start ins neue Jahr und liebe Grüße
Leo

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buchundwort
Januar 7, 2022 um 10:00 pm

Hey Leo,
die Anzahl der Seiten zu tracken ist auch eine gute Idee und super, wenn es dich nicht demotiviert, wenn du dein Ziel mal nicht erreichst, sondern den gegenteiligen Effekt hat! 🙂 Ich denke, das ist sehr individuell, wie sehr man diesen (inneren) Druck braucht und/oder möchte – und wahrscheinlich auch je nach Lebensphase unterschiedlich. Ich bin mir da bei mir noch nicht so sicher, aber gespannt, es dieses Jahr einfach mit weniger eigenen „Vorgaben“ zu versuchen. Danke für die lieben Worte und alles Gute fürs neue Jahr zurück! 🙂

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Josephine von Gehrke
März 24, 2022 um 1:45 pm

Huhu 🙂

Zwar finde ich es grundsätzlich immer super, wenn man sich (gerne auch sehr ambitioniert) Ziele setzt. Doch grade für das Lesen halte ich das für fatal. Genau aus dem Grund, den du auch genannt hast: Es übt Druck aus.
Lesen ist für mich eine Ablenkung aus dem stressvollen, schnellebigen Alltag. Wenn ich ein Buch lesen möchte, dann in meinem Tempo. Dieses kann auch hier und da mal wechseln, selbst mitten in einem Buch. Da ich persönlich besonders durch die Uni mehr zum LEsen gekommen bin als vorher (muss statt 1 Buch pro Monat tw. 1 kurzes Buch pro Woche lesen und vorbereiten), möchte ich mir zwischendurch auch mehr Zeit für ein Buch nehmen können, bestimmte Passagen auch mal wiederholen. Denn nur so kann man meines Erachtens nach ideal zwischen den Zeilen lesen und auch wirklich alle Einflüsse auf die Geschichte analysieren.

Daher lange Rede, kurzer Sinn: Behalt dir dein Hobby so, wie es dir Spaß macht! Besonders um das Lesen wäre es ja schade, wenn es durch Ziele madig gemacht wird. 🙂

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buchundwort
März 26, 2022 um 11:56 am

Absolut! 🙂

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Laury
Juni 29, 2022 um 7:24 pm

Hallöchen liebe Moni,
schön, dass ich deinen Blog entdeckt und mich dadurch bereichert habe. Vielen Dank, dass du hier deine Gedanken und vieles mehr mit uns teilst, ich bin ab sofort gerne begeisterte Leserin von dir.
Speziell zum Thema mit Lesechallenges sprichst du mir aus der Seele, ich hatte das Ganze für mich ausprobiert und zum Glück schnell feststellen können, dass es, wie du so treffen sagst, meine Leidenschaft und mein liebstes Hobby für mich sabotiert und, wie der Namen eben schon sagt, zu einem Wettbewerb macht.
Daher habe ich für mich zum Motto „Der Weg ist das Ziel!“ und damit zur Lesefreude zurückgefunden, schön, dass du diesbezüglich deine Erkenntnis teilst, ich wünsche mir wieder mehr Fokus auf die Freude und das Staunen in der Bücherwelt und weniger Lese-Statistiken!
🙂

Herzliche Grüße,
Laury

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buchundwort
Juli 2, 2022 um 6:50 pm

Freut mich sehr, dass du einen Weg gefunden hast, der für dich so gut funktioniert und somit wieder viel Freude am Lesen hast! 🙂 Liebe Grüße!

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