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Monatsrückblick Januar 2021

Neues Jahr, neues Format! Jeden Monat möchte ich nun auf diesem Blog mit euch auf meinen Lesemonat zurückblicken. Der Januar machte dabei einen würdigen Anfang: 9 Bücher habe ich in den letzten Wochen gelesen und gehört. Für mich ist das überdurchschnittlich viel und das liegt an drei Faktoren:

  1. Ich höre mehr Hörbücher als zuvor und nutze somit manchmal auch die Zeit beim Putzen oder Kochen mit Geschichten auf den Ohren.
  2. Mitte Januar wurden mir meine Weisheitszähne entfernt und ich lag eine Woche lang im Bett. Allgemein hatte ich in dem Monat ausnahmsweise keine dringenden Abgaben oder Termine.
  3. Einer meiner großen Jahresvorsätze ist es, bewusster Pausen zu machen, weniger Zeit am Smartphone zu vergeuden. Dabei habe ich mir zuletzt selbst immer kleine „Challenges“ gesetzt, wie viele Seiten ich in den nächsten Tagen lesen würde, und das auf diese Art meistens einhalten können, weil ich mir die Zeit dafür bewusst geschaffen habe.

Der Januar war also ein relativ ruhiger Monat und in Hinblick auf die Bücher, die mich begleitet haben, sehr ergiebig. Es waren viele verschiedene Genres dabei (Belletristische Gegenwartsliteratur, historischer Roman, Romantik, Sachbuch, Memoir, Kurzgeschichten, Graphic Novel) und das auf alle mir zugänglichen Formate (Printbücher, E-Books, Hörbücher) verteilt. Besonders stolz bin ich auch darauf, dass ich der Versuchung widerstehen konnte und keine neuen Bücher bei mir einziehen lassen habe. Das fühlt sich in manchen Momenten zwar schmerzvoll an, bewahrt mich aber im Endeffekt vor dem Gefühl, von der Anzahl ungelesener Bücher überwältigt zu sein und mich gestresst zu fühlen anstatt es richtig zu genießen. Was aber nicht bedeutet, dass ich die nächsten Monate ähnlich enthaltsam sein werde. Schließlich lohnt es sich, in Bücher zu investieren, betont meine Mutter immer!

Hinzugekommene Bücher: 0

Gelesene Bücher: 9

Diese Bücher haben also meinen Januar 2021 geprägt:

Iss das jetzt, wenn du mich liebst von Bianca Nawrath*

Der Debütroman von Bianca Nawrath ist eins der fünf Bücher, die mich vom neuen Ecco Verlag erreichten – ich kann euch das Frühjahrsprogramm sehr ans Herz legen, die Bücher klingen alle sehr ansprechend und sehen auch noch wunderschön aus! Iss das jetzt, wenn du mich liebst ist das erste Buch, das ich gelesen habe – da es allerdings erst am 23. März offiziell erscheint, werde ich mit meiner Besprechung noch bis dahin warten. Update: Hier geht es zu meiner ausführlichen Rezension.

Irmina von Barbara Yelin

Direkt im Anschluss machte ich es mir am 1. Januar im Lesesessel gemütlich und begab mich in Irminas Welt. Was für eine traurige, nein, tragische Geschichte, die mich alles um mich herum vergessen ließ. Diese Graphic Novel, die während des 2. Weltkrieges spielt, hat mich wahnsinnig berührt. So bedrückend die Thematik ist, so wunderschön sind Barbara Yelins Zeichnungen. Große Empfehlung! Vielleicht werde ich dieses Buch noch einmal lesen, und das mache ich sonst nie. Hier erzähle ich noch etwas ausführlicher, was mir an diesem Buch so gefallen hat.

Dear Reader: The Comfort and Joy of Books von Cathy Rentzenbrink (Hörbuch)

Mein erstes Hörbuch des Jahres, gelesen von der Autorin selbst. Dear Reader ist wie eine Umarmung in Buchform. Herzerwärmend, ein bisschen traurig, aber allem voran einfach schön und wohltuend. Cathy Rentzenbrinks Liebe zu Büchern ist in jedem Kapitel spürbar und ließ mein Herz höher schlagen bei dem Gedanken, hoffentlich noch viele tolle Bücher in meinem Leben entdecken zu dürfen.

No More Bullshit! Das Handbuch gegen sexistische Stammtischweisheiten vom Sorority Frauennetzwerk

Immer wieder lese ich Bücher zum Thema Feminismus und möchte mich darin weiterbilden. Doch sobald es darum geht, Diskussionen zu führen, fehlen mir oft die treffenden Argumente. Das ärgert mich, da mir Gleichberechtigung am Herzen liegt und es manchmal notwendig ist, Menschen mit handfesten Fakten und Statistiken zu begegnen, die in ihrer eigenen Denkweise eingefahren sind. No More Bullshit! liefert genau das – anschaulich und verständlich werden die typischsten „Stammtischweisheiten“ aufgedröselt und widerlegt. Das hat mir sehr gefallen. Teilweise hätte ich mir noch einen klareren „Leitfaden“ gewünscht, zum Beispiel mit guten Fragen, die man seinem Gegenüber stellen kann, um ihn seine Denkmuster hinterfragen zu lassen. So oder so ist es ein Buch, das ich sehr hilfreich fand.

Swimming in the Dark von Tomasz Jedrowski

Die Liebesgeschichte zwischen Ludwik und Janusz im katholischen Warschau der 80er Jahre hat mich ein paar Nachmittage begleitet. Der Roman ist ruhig, lässt sich Zeit und ist subtil und sanft in seiner Erzählweise. Besonders gefallen hat mir, dass die Geschichte in meiner Familienstadt spielt, die ich nur zu gut kenne – und dadurch alle Schauplätze vor Augen hatte (auch wenn sich Polen im Laufe der letzten Jahrzehnte extrem verändert hat). Wie sehr mir die Geschichte in Erinnerung bleiben wird, kann ich jedoch noch nicht sagen – letztlich hielt sich die Handlung in Grenzen und auch den Figuren kam ich nie so nah, dass mich ihr Schicksal emotional so mitgenommen hätte, wie ich es mir erhofft hatte. Doch mein Bedürfnis, noch Baldwins Giovanni’s Room zu lesen, auf das in dem Buch öfter verwiesen wird, ist definitiv gestiegen.

Verbrechen von Ferdinand von Schirach

Ich war mir so sicher, dass mir dieses Buch gefallen würde! Doch leider konnte ich so gut wie gar nichts damit anfangen. Ferdinand von Schirach erzählt in Verbrechen von echten Fällen, die er während seiner Arbeit als Strafverteidiger erlebt hat. Es gab leider wenige Geschichten, die mein Interesse weckten und tatsächlich war ich die meiste Zeit eher gelangweilt und empfand den Sprachstil beim Lesen als stockend. Ich bin mir noch unschlüssig, ob ich nach der Lektüre seinem Buch Schuld eine Chance geben möchte – mein Freund hat sehr davon geschwärmt und vielleicht reißen mich die moralischen Zwickmühlen ja mehr mit, als die Nacherzählung von Verbrechen, die mich wenig packen konnten und hauptsächlich gleichgültig zurückließen. Auch Terror und Gott wurden mir ausdrücklich empfohlen. Vielleicht war mein erstes Buch von Schirach einfach ein Fehlgriff.

Happening von Annie Ernaux (Hörbuch)

Die Grande Dame der französischen autobiografischen Literatur hat es mal wieder geschafft, mich mit einem Einblick in ihr Leben in ihren Bann zu ziehen. In Happening geht es um ihre ungewollte Schwangerschaft im Alter von 23 Jahren. Eindringlich, ehrlich und klug beschreibt sie diese Erfahrung, in den 60er Jahren eine Realität zu leben, die sie von ihren Altersgenossinnen entfremdete und ihr Leben in eine ungeplante Richtung lenkte.

The Flatshare von Beth O’Leary (E-Book)

Ab und zu habe ich beim Lesen Lust auf seichte Unterhaltung mit einem Happy End. Normalerweise greife ich dafür zu einem Buch von Holly Bourne, doch da ich das meiste von ihr bereits gelesen habe, dachte ich mir, ich schaue mich etwas genauer in dem Romance-Genre um. The Flatshare war dabei ganz oben auf der Liste der Titel, die passend und erfrischend klangen. Der Schreibstil und die Charaktere haben mich zwar an Bücher von Holly Bourne erinnert, doch leider konnte ich mir des Öfteren das Augenrollen nicht verkneifen. Die Handlung war super vorhersehbar und oft völlig implausibel, die Protagonist:innen Tiffy und Leon extrem stereotyp und eindimensional beschrieben und zwischendurch habe ich ernsthaft überlegt, es abzubrechen (und mich schließlich doch dagegen entschieden). Das Buch ist zwar kurzweilig und liest sich schnell weg, doch letztlich war es eher wie mittelmäßiges Junkfood.

Pachinko von Min Jin Lee

Mein Monat endete mit dem Familienepos Pachinko. Es war ein Buch zum darin Versinken und ich habe selten so viel über eine andere Kultur gelernt, wie hier. Die Spannungen zwischen Japan und Korea waren mir in diesem Ausmaß gar nicht bewusst. Der Roman erzählt die berührende Geschichte einer Familie über mehrere Jahrzehnte hinweg. Doch alles in allem verspürte ich durchgehend eine gewisse Distanz zu den Protagonist:innen. Ich habe Pachinko zwar gerne gelesen, doch leider scheine ich in die Falle zu tappen, alle historischen Familiensagen sofort mit Das achte Leben zu vergleichen, das für mich ein großes Meisterwerk war. Dennoch ein lesenswertes Buch, das einen über 500 Seiten lang in eine andere Welt entführt.


Was habt ihr im Januar gelesen?

*Bei den gekennzeichneten Büchern handelt es sich um Rezensionsexemplare.

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