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„Iss das jetzt, wenn Du mich liebst“ von Bianca Nawrath

„Die junge Berlinerin Kinga will heiraten. Und zwar ihren Freund Mahmut, mit dem sie bereits seit einigen Jahren Wohnung und Weltansichten teilt. Das Problem: Kingas Eltern wissen nichts von der Beziehung ihrer Tochter. Im Elternhaushalt gilt die Heilige Dreifaltigkeit von Papst, Wodka und Gulasch. Kingas Eltern sind, um den gemeinsamen Kindern mehr Perspektiven zu ermöglichen, von der polnischen Provinz Oppeln in eine Berliner Platte gezogen. Während sie Jeans und Discounter für eine gute Errungenschaft in Deutschland halten, ist ihnen die Nachbarschaft zu den türkischen Migranten nicht ganz geheuer. Und nun will die älteste Tochter »so einen« heiraten? Kurzerhand wird der unerwünschte Schwiegersohn zum Kennenlernen zu einer Familienhochzeit in der alten Heimat eingeladen – und da sorgt nicht nur Omas Flaki für Magenschmerzen.“

Der neu gegründete Ecco Verlag ist eins meiner Frühjahrshighlights. Ich hatte das Glück, alle 5 Bücher aus ihrem allerersten Programm zugeschickt zu bekommen und konnte mich kaum entscheiden, mit welchem ich beginnen würde – und wählte schließlich Iss das jetzt, wenn Du mich liebst von Bianca Nawrath. Das Gurkenglas auf dem Cover ist ein ganz schönes Statement und als ich den Klappentext las, machte alles Sinn: Es geht um die in Berlin geborene und aufgewachsene Polin Kinga. Außerdem geht es um Mahmut, ihren türkischen Verlobten, den sie heiraten möchte und nun zum ersten Mal ihrer Familie vorstellt. Diese sind auf „Ausländer“ nämlich nicht gut zu sprechen – paradox wie das Ganze nun mal ist. Die Salzgurken auf dem Cover, die es nur in Polen gibt (zumindest basierend auf meinen eigenen Supermarktrecherchen) stehen für die polnische Küche – und für Kinga den Geschmack ihrer Kindheit.

Ich bin selbst das Kind einer polnischen Mutter und Enkelin polnischer Großeltern, die mich sehr geprägt haben. Auch wenn ich behaupten würde, dass zumindest ein Teil meiner Familie recht progressiv ist, weiß ich, wie polnische Familien oft sein können und wie sich die Mentalität von der deutschen unterscheidet. Während des Lesens war es demnach einerseits herzerwärmend, die kleinen polnischen Details wiederzuerkennen, die einen Teil meiner eigenen Kultur ausmachen, und gleichzeitig eine schmerzvolle Erinnerung, wie viele Vorurteile die – hauptsächlich älteren – konservativen Pol:innen hegen.

Iss das jetzt, wenn Du mich liebst ist keine weltbewegende Geschichte. Bianca Nawrath erzählt, wie ein Zusammentreffen verschiedener kultureller Hintergründe auf polnischem Boden verlaufen kann. Sie sticht in Wunden, weist damit auf Missstände und Widersprüchlichkeiten hin, die schlicht absurd sind. Ich habe das Buch gerne und interessiert gelesen, es war kurzweilig und die Geschichte rund.

Dennoch ging mein Leseerlebnis nicht über die oberflächliche Lektüre hinaus. Das Buch liest sich ein bisschen wie ein Sonntagnachmittag-Film im Fernsehen, der irgendwie aufrüttelt, am Ende aber alles gut und versöhnlich enden lässt. Die Handlung erschien mir vor allem gegen Ende etwas konstruiert und ließ das Buch dadurch insgesamt seichter sein, als die Thematik hergegeben hätte.

Nichtsdestotrotz ein gutes, lesenswertes Debüt!


Der Ecco Verlag hat mir netterweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung zu dem Buch beeinflusst das natürlich nicht.

Bianca Nawrath: Iss das jetzt, wenn Du mich liebst. Ecco Verlag. ISBN: 978-3-7530-0002-2. 288 Seiten. 20,00€.

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