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„Irgendwann wird es gut“ von Joey Goebel

„Ein junger Mann wartet mit zwei Drinks auf seine Angebetete. Sie kommt pünktlich – im Fernsehen. Ein zwölfjähriges Mädchen will nicht zu schnell erwachsen werden. Und ein Messie findet ins Leben zurück dank einer hübschen Frau, die womöglich noch trauriger ist als er selbst. Ein paar ganz normale Menschen, deren Leben nicht das ist, was sie sich erträumt haben. Die dennoch um ihr winziges Stück vom Glück kämpfen und lieber heute als morgen aus der Kleinstadt in Kentucky wegwollen. Sie holen sich blutige Nasen und geben trotzdem nicht auf. Denn sie wissen: Irgendwann wird es gut.“

Seit ich „Vincent“ gelesen habe, bekenne ich mich als leidenschaftlicher Joey-Goebel-Fan. Nun war ich trotzdem zögerlich, sein neuestes Buch „Irgendwann wird es gut“ zu lesen – aus drei Gründen: 1. Ich bin kein allzu großer Fan von Kurzgeschichten. 2. Ich hatte Sorge, dass das Buch nicht an „Vincent“ herankommen könne. 3. Ich hatte gleichzeitig Sorge, dass es so gut werden könnte, dass ich im Anschluss traurig wäre, es bereits gelesen zu haben.

Alle drei Gründe hatten ihre Berechtigung. Tatsächlich kam „Irgendwann wird es gut“ für mich nicht an „Vincent“ ran – das hat definitiv auch damit zu tun, dass Kurzgeschichten nicht allzu sehr in die Tiefe gehen können und mit jeder neuen Geschichte eine weitere Eingewöhnungsphase ansteht. Ich lasse mir jedoch gerne Zeit, in eine Geschichte einzutauchen, ihre Entfaltung zu genießen und eine Verbindung zu den Charakteren aufzubauen.

Nichtsdestotrotz hat mich „Irgendwann wird es gut“ zutiefst beeindruckt und ich musste nach einigen Kurzgeschichten das Buch zur Seite legen und verarbeiten, was ich da gerade gelesen hatte. Joey Goebel schreibt über Einsamkeit und über das Gefühl, nicht dazuzugehören. Und das macht er auf eine phänomenale Art und Weise, die mitten ins Herz trifft und den Leser zwingt, sich mit diesem Zustand zu konfrontieren – ohne dabei zu bedrückend zu werden. Ich habe mich im Leben öfter als Außenseiterin gefühlt, bei acht Schulwechseln kannte ich kaum etwas anderes, als „die Neue“ zu sein, hinter deren Rücken alle tuschelten. Joey Goebel holt mich mit seinen Geschichten ab, wie wenige Autoren es schaffen. Er schreibt über Menschen, die Einsamkeit auf ihre eigene Art und Weise spüren, erleben und sich krampfhaft bemühen, davon zu befreien.

Der verbindende Faktor ist dabei die Kleinstadt Moberly, in der alle Protagonisten leben. Auf sehr subtile Art und Weise überschneiden sich manche Geschehnisse, was mir sehr gefallen hat. Außerdem finde ich es toll, dass jede Geschichte einen Abschluss findet und sich nicht in einem offenen Ende verliert. Nun, Kurzgeschichten sind vielleicht nicht meine größte Präferenz, doch „Irgendwann wird es gut“ ist eine der großartigsten Kurzgeschichtensammlungen, die ich mir vorstellen kann. Große Empfehlung!

Der Diogenes Verlag hat mir netterweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung zu dem Buch beeinflusst das natürlich nicht.

Joey Goebel: Irgendwann wird es gut. Diogenes Verlag. ISBN: 978-3-257-60946-2. 320 Seiten. 18,99€.

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