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„Ghosts“ von Dolly Alderton

„Nina Dean has arrived at her early thirties as a successful food writer with loving friends and family, plus a new home and neighbourhood. When she meets Max, a beguiling romantic hero who tells her on date one that he’s going to marry her, it feels like all is going to plan.
A new relationship couldn’t have come at a better time – her thirties have not been the liberating, uncomplicated experience she was sold. Everywhere she turns, she is reminded of time passing and opportunities dwindling. Friendships are fading, ex-boyfriends are moving on and, worse, everyone’s moving to the suburbs. There’s no solace to be found in her family, with a mum who’s caught in a baffling mid-life makeover and a beloved dad who is vanishing in slow-motion into dementia.“

Wie viele andere, mochte ich Dolly Aldertons Debüt und Memoir Alles, was ich weiß über die Liebe ziemlich gerne. Für mich war es das Buch über Freundschaft und Zusammenhalt, auch wenn der beschriebene Lifestyle, der vordergründig aus Partys und Alkohol besteht, gar nicht meinem entspricht. Das Buch war unterhaltsam, klug und brachte eine gewisse Tiefe mit sich, die mir in Erinnerung blieb und mich viel über meine eigenen Freundschaften nachdenken ließ.

Auf Dolly Aldertons ersten Roman, der thematisch so ansprechend klingt, war ich also mehr als neugierig. Auch wenn ich mit meinen 24 Jahren noch weit von Torschlusspanik entfernt bin, interessieren mich Bücher, in denen es genau darum geht: Was, wenn man Kinder haben möchte, der richtige Partner aber fehlt? Was, wenn alle um einen herum plötzlich Familien gründen, an den Stadtrand ziehen und man das Gefühl hat, etwas zu verpassen? Genau diese Themen umtreiben die Protagonistin Nina.

„We trick ourselves into being close until we really are close, then we trick ourselves into seeming distant to stay as close as we can for as long as possible.“ S. 97

Über viel mehr als das zugängliche Thema ging das Buch für mich jedoch nicht hinaus. Vielleicht spielt mit ein, dass ich vor wenigen Monaten How Do You Like Me Now? von Holly Bourne las, in dem eine Influencerin Anfang 30 vor genau denselben Fragen steht. Mit dem Unterschied, dass Holly Bournes Schreibstil es schafft, einen Sog zu erzeugen, der einen nicht mehr loslässt. Das hat mir bei Ghosts gefehlt.

Zum einen hat es eine Weile gedauert, bis ich in die Geschichte hineinkam. Das Gefühl, nicht ganz abgeholt und in keinen Spannungsstrudel zu geraten, blieb aber durchgehend. Insbesondere die Szenen mit Ninas Familie haben sich für mich gezogen und wenig ausgelöst. Zum anderen fand ich die Handlung enorm vorhersehbar. Womöglich habe ich über diesen Roman bereits zu viel auf Instagram gelesen, doch es passiert fast nichts, das nicht bereits im Klappentext oder dem Titel des Buches erwähnt wird (und der eine kleine Twist, den es am Ende gibt, ist schrecklich konstruiert). Besonders irritierend finde ich, dass das Buch mit Ninas 32. Geburtstag öffnet und insbesondere mit den Worten „My 32nd birthday was the simplest birthday I ever had. Which was a perfectly lovely way to begin the strangest year of my life.“ Nach der Lektüre frage ich mich: Was war an diesem Jahr „strange“? Nina arbeitet als Autorin für Kochbücher, geht auf Dates, verliebt sich, wird enttäuscht, dann gleich noch mal, quält sich auf einem Junggesellenabschied und einer Hochzeit als eine der einzigen Singlefrauen und leidet gleichzeitig unter der voranschreitenden Krankheit ihres Vaters. Mir ist klar, dass der Satz neugierig auf die Geschichte machen sollte, doch als außergewöhnlich würde ich Ninas 32. Lebensjahr nicht ansatzweise beschreiben.

Darüber hinaus fand ich alle Figuren sehr eindimensional und stereotyp. Ich habe weder ein Gefühl für Nina bekommen, die keinerlei Eigenheiten zu haben scheint, noch gab es gut ausgearbeitete charakteristische Unterschiede zwischen allen beschriebenen Männern. Genauso einfältig und oberflächlich dargestellt werden auch alle verheirateten Frauen. Ich verstehe zwar, dass es sich bei Ghosts hauptsächlich um einen Unterhaltungsroman handelt, doch dass alle über einen Kamm geschert werden, fand ich schade und unnötig. Und wo wir beim Stichwort Unterhaltungsroman wären: Dafür fand ich ihn überraschend ernst und melancholisch geschrieben. Die vielen Dialoge erleichtern zwar den Lesefluss, doch insgesamt fand ich den Roman an allen Ecken unausgereift.

Ich mache mich jetzt erstmal auf die Suche nach allen vor Begeisterung strotzenden Rezensionen, da ich ehrlich neugierig bin, was andere Leser:innen an Ghosts sehen und lieben. Für mich war der Roman leider eine Enttäuschung.

Dolly Alderton: Ghosts. Penguin Books Ltd. ISBN: 978-0-241-46533-2. 337 Seiten. 16,50€. 

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