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„Durch die Nacht“ von Stig Sæterbakken

„Karl Meyer ist Zahnarzt und führt ein durch und durch bürgerliches Leben. Doch als sein erst achtzehnjähriger Sohn Ole-Jakob Suizid begeht, droht es die Familie zu zerreißen. Karls Frau Eva steht unter Schock, die Tochter Stine verstummt. Auch Karl ist in seiner Trauer gefangen. Er denkt zurück an sein Kind, vor allem aber an das, was die Familie schon vor dessen Tod auf eine Belastungsprobe stellte: Karls Liebschaft mit der deutlich jüngeren Mona. Ist es diese Affäre, die Ole-Jakob in den Tod getrieben hat? Die Schuldfrage steht im Raum – und Karl läuft davon.
Er begibt sich auf eine Reise in die Slowakei. Dort hofft er, Erlösung zu finden: in einem Haus, in dem man, so heißt es, mit seinen tiefsten Ängsten konfrontiert wird – und das man entweder geheilt oder gebrochen verlässt.“

Tod ist ein schweres Thema. Im Leben, wie auch in Büchern. Obwohl ich mich oft zu Geschichten hingezogen fühle, die existentielle Themen behandeln, fühlt es sich an, als würde beim Thema Tod bei mir eine Schranke runtergehen, ich lasse die Gefühle kaum zu. Ich weiß nicht, warum das so ist, da ich bisher niemanden verloren habe, der mir so nahe stünde, wie Ole-Jakob in der Geschichte seinem Vater Karl nahe steht.

Der Protagonist Karl begeht Fehler: Er hat eine Affäre, verliert dadurch das gute Verhältnis zu seiner Familie und als sein Sohn Ole-Jakob Suizid begeht, zerbricht alles. Karl fühlt sich schuldig und weiß nicht, mit der Situation umzugehen. In diesem Buch geht es um Verlust, Trauer, Familie und Vergebung. Insbesondere der erste Teil der Geschichte, der all diese Ereignisse beschreibt und sich dabei vor allem auf Karls Empfindungen konzentriert, ist psychologisch unglaublich spannend – und definitiv sehr authentisch und ergreifend geschrieben.

„Ich dachte: Trauer ist eine Gabe. Menschen, die nicht unglücklich sind, haben nichts, was sie erzählen können.“ (S. 201)

Der zweite Teil, in dem sich Karl auf eine Reise macht, hat mich leider zunehmend verloren. Auf mich wirkte der weitere Verlauf orientierungslos und ohne den roten Faden, der sich in der ersten Hälfte des Romans so gut aufgebaut hatte. Ich hätte mir gewünscht, dass Karl bei seiner Familie geblieben wäre und ich hätte gerne über die Dynamik gelesen, die dabei entstanden wäre. Stattdessen reiste Karl zu einem Haus in der Slowakei, das ihn entweder völlig verstören oder endgültig heilen sollte. Die Szenen aus dem Haus fand ich seltsam und unpassend, fast, als wäre es eine komplett andere Geschichte. Auch das Ende des Buches hat mich insgesamt etwas ratlos zurückgelassen.

„Durch die Nacht“ ist durchaus ein sehr intensives Buch und in vielerlei Hinsicht kann ich die Faszination, die die Geschichte ausübt, verstehen. Autor Stig Sæterbakken hat knapp ein Jahr nach dem Erscheinen dieses Romans selbst Suizid begangen – das nach dem Lesen zu erfahren, hat mich sehr nachdenklich gestimmt. Ein schweres, tiefgehendes Buch, das mich zwar nicht komplett überzeugen konnte, dennoch einen Eindruck hinterlassen hat.

Der DuMont Buchverlag hat mir netterweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung zu dem Buch beeinflusst das natürlich nicht.

Stig Sæterbakken: Durch die Nacht. DuMont Buchverlag. ISBN: 978-3-8321-8365-3. 288 Seiten. 22,00€.

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