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„Du sagst es“ von Connie Palmen

„In ›Du sagst es‹ verleiht Connie Palmen dem 1998 verstorbenen Ted Hughes eine Stimme. Sie lässt ihn auf seine leidenschaftliche Ehe zurückblicken, die am 11. Februar 1963 mit dem Suizid seiner Frau endet, und auf sein Leben, das von da an von diesem Freitod beherrscht war. In den meisten Biographien, die über Sylvia Plath erscheinen, wird sie zur Märtyrerin stilisiert und er als Verräter und Mörder abgestempelt, von Wildfremden beschimpft und von Menschen angeklagt, die er für Freunde hielt.“

Du sagst es von Connie Palmen hätte ich mir in der Buchhandlung nie freiwillig ausgesucht. Bisher war mein einziger Berührungspunkt mit Sylvia Plath, als Dreizehnjährige ihren Roman The Bell Jar gekauft zu haben, reingelesen und festgestellt zu haben, dass es irgendwie nicht das richtige Buch zur richtigen Zeit war. Das Buch wurde irgendwann wieder verkauft oder verschenkt, dieses Stück Literatur ad acta gelegt. Nun besuche ich, zehn Jahre später, ein Seminar an der Uni zu Literarischen Biografien und eine der Pflichtlektüren ist Du sagst es, ein autofiktiver Roman über das Leben von Sylvia Plath und ihrem Mann Ted Hughes – geschrieben von Connie Palmen, allerdings aus der Perspektive von Ted Hughes erzählt. Etwas widerwillig begann ich zu lesen, denn der „Pflichtlektüreneffekt“ hat mir schon so manche Lektüre versaut. Doch nach einigen Seiten war ich gefesselt wie schon lange nicht mehr.

Das Buch ist unglaublich dicht geschrieben. An diesen 272 Seiten habe ich ungewöhnlich lange gelesen, was mitunter daran liegt, dass ich jedes Wort auskostete, als wäre es ein guter Wein oder eine teure Schokolade. Ich konnte gar nicht anders: Das Buch zwingt einen dazu, an jedem Wort zu hängen, jedes Detail aufzusaugen und immer mehr in dieser Geschichte zu versinken, die auch nach der Lektüre noch lange nachhallt. Ich lese viele gute Bücher, die mich unterhalten oder Gefühle in mir hervorrufen, doch die Lektüre dieser Biografie fand für mich nochmal auf einer anderen Ebene statt, die ich nicht erwartet hatte. Die Darstellung der Beziehung zwischen Sylvia Plath und Ted Hughes hat mich so derart in ihren Bann gezogen, berührt und fasziniert, dass ich oftmals schwer schlucken musste und den beiden auch in meinem Alltag häufig in Gedanken nachhing.

Zu den Kritikpunkten, das Paar wäre von Connie Palmen nicht realitätsnah porträtiert worden, kann ich jedoch nichts sagen. Ich bin diesbezüglich sehr unvoreingenommen an die Lektüre herangegangen, da ich im Vorfeld wenig über Sylvia Plath und nichts über Ted Hughes wusste. Dadurch kann ich nicht beurteilen, wie gut dieses Buch als Biografie ist. Ich finde es interessant, dass Connie Palmen aus der Perspektive von Ted Hughes geschrieben hat – dadurch ist der Einblick in diese partnerschaftliche Dynamik so extrem intim – allerdings ist es sicherlich wahnsinnig schwer, sich literarisch als ein Mensch auszugeben, von dem bereits viele Leser*innen eine konkrete Vorstellung im Kopf haben.

Du sagst es ist nicht leicht zu verdauen, meines Erachtens aber sehr lesenswert. Für mich war dieses Buch, ohne Vorkenntnisse von Sylvia Plath und Ted Hughes‘ Leben zu haben, eine intensive, im besten Sinne fordernde, wertvolle und emotionale Lektüre, die die Frage aufwirft, was Autofiktion eigentlich darf. Zudem habe ich das Gefühl, nun für The Bell Jar bereit zu sein, da ich noch mehr über diese Personen, und insbesondere über Sylvia Plath, erfahren möchte.

Connie Palmen: Du sagst es. Diogenes Verlag. ISBN: 978-3-257-60772-7. 272 Seiten. 9,99€.

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