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„Der Gesang der Flusskrebse“ von Delia Owens

„In den 1960er-Jahren schwirren viele Gerüchte über Kya Clark durch die ruhige Küstenstadt Barkley Cove. Isoliert lebt sie im Marschland mit seinen Salzwiesen, Sandbänken, Buchten. Sie kennt jeden Stein und Seevogel, jede Muschel und Pflanze. Zwei junge Männer werden auf die wilde Schöne aufmerksam, und Kya öffnet sich einem neuen Leben – mit dramatischen Folgen. Als einer der beiden tot aufgefunden wird, sind sich die Bewohner sicher: Das »Marschmädchen« ist schuld.“

Ausführliche Naturbeschreibungen, Sumpfgebiet… das sind Schlagwörter, durch die mein Interesse ganz sicher nicht geweckt wird. Gerade nachdem mich „Mein Ein und Alles“ von Gabriel Tallent enttäuscht hatte, stand ich einem weiteren Roman mit vordergründigen Natur-Komponenten recht skeptisch gegenüber. Was mich hingegen neugierig machte, war die schiere Begeisterung, mit der alle von „Der Gesang der Flusskrebse“ erzählen – darunter auch Personen, die einen ähnlichen Lesegeschmack haben, wie ich. Im Urlaub packte mich schließlich die Lust auf diese Lektüre, und ganz ehrlich: Ab der ersten Seite habe ich mich Hals über Kopf in diese Geschichte verliebt.

Kya ist eine faszinierende Protagonistin. Wenngleich sie ein Leben führt, das alles andere als gewöhnlich ist, ist sie eine der nahbarsten Figuren, die mir in letzter Zeit begegnet ist. Die Beschreibungen ihrer Gedanken und Gefühle ziehen unglaublich in ihren Bann. Das, und die Tatsache, dass Delia Owens mit ihrem Schreibstil eine perfekte Balance zwischen spannender Handlung, Charakterentwicklung und atmosphärischen Naturbeschreibungen schafft, hat dieses Buch für mich zur perfekten Lektüre gemacht. „Der Gesang der Flusskrebse“ ist genau das, was Literatur in meinen Augen ausmacht: Ich war sofort gefesselt von dem Geschehen, konnte mich kaum losreißen von Kya und habe mein Umfeld beim Lesen völlig ausblenden können. Auch nach dem Beenden des Romans hallte er noch lange nach.

In gewisser Hinsicht hat Delia Owens eine Art coming-of-age-Roman geschrieben, da man als Leser Kyas Leben verfolgt, ihre Entwicklung, ihre Erfahrungen, Hoffnungen und Enttäuschungen mitfühlt. Man liest, wie sie erwachsen wird, und das zwar in ungewöhnlichen Umständen, doch dabei wird deutlich, dass viele Themen universell sind: Es geht um das Anderssein, Ausgrenzung, Hoffnung, Liebe, Familie und Freundschaft. Alles, was ihr widerfährt, ist so unglaublich menschlich. Gleichzeitig liest sich der Roman wie ein spannender Krimi, da der Tod eines Jungen ermittelt wird.

„Der Gesang der Flusskrebse“ von Delia Owens ist ein sehr tiefgehender Roman. Mich hat dieses Buch zutiefst berührt, unterhalten und nachdenklich gestimmt. Ich kann es gar nicht genug empfehlen und es zählt nun definitiv zu meinen Lieblingsbüchern.

Delia Owens: Der Gesang der Flusskrebse. hanserblau. ISBN: 978-3-446-26419-9. 464 Seiten. 22,00€.

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