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„Das böse Mädchen“ von Mario Vargas Llosa

„Immer wieder tritt sie unerwartet in sein Leben und wirbelt es durcheinander. Ob in Paris, London, Madrid oder Tokio, ob als Guerrillera oder Heiratsschwindlerin – sobald Ricardo „das böse Mädchen“ zu fassen geglaubt hat, ist es schon wieder verschwunden. Auf rätselhafte Weise scheinen sie füreinander bestimmt; oder ist nur er es, der nicht von ihr lassen kann?“

„Das Böse Mädchen“, „The Bad Girl“ oder im Original „Travesuras de la niña mala“ von Mario Vargas Llosa ist ein Roman, dessen Klappentext mich sofort neugierig gemacht hat. Das Buch handelt von dem „bösen Mädchen“, dessen Identität sich im Laufe der Geschichte stets verändert da sie sich eine Lügenwelt aufbaut. Sie wird hoffnungslos geliebt und begehrt von Ricardo, der ihr immer und immer wieder begegnet, hauptsächlich durch Zufälle. Er ist immer bereit, ihr zu helfen, wenngleich er ihre gesamte, verrückte Lebensgeschichte und die sämtlichen Lügen beobachtet und selbst überwiegend Nachteile aus der Bekanntschaft mit ihr zieht. Sie ist, wie er es zu einem Zeitpunkt beschreibt, seine „Krankheit“, von der er sich nicht zu heilen schafft.

Vorweg kann ich sagen, dass dieses Buch schnell zu einem meiner Favoriten geworden ist. Llosas Schreibstil, für den er im Jahr 2010 den Literatur Nobelpreis erhielt, liest sich sehr angenehm und verhilft dem Leser dazu, sich die Szenen bildhaft vorstellen zu können. Natürlich hatte Edith Grossmans Übersetzung durchaus einen Einfluss auf meinen Eindruck des Werkes und ich bereue es ein bisschen, kein Spanisch zu können, um die gelegentlichen Peruanismen zu verstehen.

Das böse Mädchen ist, meines Empfindens, keine mögenswerte Figur mit der man sich gerne identifiziert. Mich persönlich faszinieren jedoch Bücher, die starke Emotionen hervorrufen können, auch wenn diese Wut, Verzweiflung und Abneigung sind. Teilweise fällt es schwer, den Protagonisten Ricardo zu verstehen bezüglich seiner unerschöpflichen, bedingungslosen Liebe gegenüber dieser kalten, egoistischen und intriganten Frau. Oft handelt er wider aller Vernunft, aber auch diese Tatsache machte den Roman für mich interessant. Ich hatte das Gefühl, die Charaktere im Laufe der Geschichte richtig kennenzulernen, ihre Leben mitzuverfolgen und ein Teil davon zu werden.

Insgesamt stellt dieser Roman viele interessante Frage: Machen Wohlstand und Geld glücklich? Warum rufen verschiedene Menschen so unterschiedliche Dinge in uns hervor? Worin kann eine Obsession ausarten? Ein faszinierender und fesselnder Roman, der mich lange nicht losgelassen hat.

Mario Vargas Llosa: Das böse Mädchen. Suhrkamp Verlag. ISBN: 978-3-518-45932-4. 395 Seiten. 10,00€.

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